Macht mit! Setzen wir gemeinsam ein Zeichen im Pferdesport!
 


Genutzte Materialien im Pferdesport und ihre Nachhaltigkeit

Im Pferdesport hat man mit verschiedensten Materialien zu tun. Angefangen von Lederprodukten bei Sattel und Trense, bis hin zu Kunstfasern und verschiedenen Stoffen bei Reiterbekleidung, Pferdedecken usw.

Da den ökologischen Aspekt im Blick zu haben, das Material auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit zu prüfen, ist nicht immer einfach.

Wir versuchen Licht ins Dunkel zu bringen und stellen euch nach und nach verschiedene Materialien vor und wie ihr sie auf Nachhaltigkeit prüfen könnt.


 

 Leder

Leder ist aus dem Pferdesport kaum wegzudenken. Deshalb haben wir uns dieses Thema als erstes vorgeknöpft, welches hier auf Herz und Nieren geprüft werden soll.

Leder – dieses Produkt ist, sofern es als echtes Leder gekennzeichnet und zertifiziert ist (hierzu später mehr), ökologisch, oder? Es ist ein Naturprodukt, enthält keine Chemie und Kunststoffe und ist zudem biologisch abbaubar. Oder?

Ob man wirklich mit gutem Gewissen zu Lederprodukten greifen kann, was die Herstellung für die Umwelt bedeutet, woran man gutes Leder erkennt und ob es Alternativen gibt, erfahrt ihr bei uns nach und nach.

  Herstellung von Leder

Hier berichten wir über die Herstellung von herkömmlichem Leder und die damit verbundene, häufig umweltbelastende, Produktionskette. Durch gezielte Auswahl eines Lederproduktes und den Blick auf gewisse Siegel bei Kauf, können viele dieser umweltbelastenden Faktoren, die hier aufgezählt werden, wegfallen oder minimiert werden (dazu später mehr).

 

-        Leder aus der Fleischindustrie und ihre Umweltbelastungen

Leder- und Fleischindustrie hängen eng zusammen.  Tierhäute entstehen als Nebenprodukt bei der Schlachtung. Ist das Lederprodukt dann nicht erst recht ressourcenschonend, da das Produkt quasi nebenbei abfällt? Könnte man meinen, doch vorsicht- laut Angaben der Tierschutzorganisation PETA ( People for the Ethical Treatment of Animals) sind nur 60 % der verwendeten Tierhäute aus der fleischverarbeitenden Industrie. Die verbleibenden 40 % der Schlachtungen weltweit werden nicht für Fleisch, sondern ausschließlich zur Lederherstellung durchgeführt.

Der Ressourcenverbrauch der Fleischindustrie ist ebenfalls ein großes Problem, z.B. genutzte landwirtschaftliche Fläche, Wasserverbrauch, oder sogar Abholzung zur Flächengewinnung für den Futtermittelanbau.

Besonders für den Sojaanbau, welches für die Tierfutterherstellung benötigt wird, werden im Amazonas Unmengen an Regenwald abgeholzt. Wusstet ihr, dass 90 % der Sojaproduktion als Tierfuttermittel verwendet werden?

Auch die prekären Arbeitsbedingungen in der Fleisch-Massenproduktion und insbesondere in den Schlachthöfen, haben im letzten Jahr häufig Negativschlagzeilen produziert.

Wen das Thema Umweltauswirkungen der Fleischindustrie interessiert, kann in dem Dokumentationsfilm Cowspiracy noch eine Menge darüber erfahren.

 

-        Konservierungsstoffe werden transportbedingt eingesetzt

Für den Transport der Tierhäute wird es schließlich nötig, die Häute mit Konservierungsstoffen zu bearbeiten, um sie vor dem Verwesungsprozess zu schützen. Konservierungsstoffe können Umwelt und Gesundheit belasten.

 

-        Chemische Gerbung

Die Gerbung, die meist chemische verläuft, ist ein großes Problem bei der Herstellung von Leder. Dies geschieht meistens mit Chrom-Salzen, die in Verruf geraten sind. Man muss jedoch genauer hinsehen. In Deutschland sind lediglich Chrom III Salze zugelassen, welche als gesundheitlich unbedenklich gelten. Bei unsachgemäßer Verarbeitung entsteht aber häufig das in Deutschland verbotene und gesundheitsschädliche Chrom IV. Häufig wird in Ländern produziert, in denen die Kontrollen nicht so streng erfolgen, wie hierzulande. Produktionsprozesse sind somit schwierig nachzuvollziehen. Auch in Reitsport-Produkten finden sich immer wieder Spuren von Chrom VI. Zum Beispiel wurden in Handschuhen der Marke Uvex mehrach Chrom VI gefunden.

Tipp: (Informationen zu Produktrückrufen werden übringens regelmäßig über RAPEX veröffentlicht. RAPEX ist ein Schnellwarnsystem der EU zum Verbraucherschutz. Hier gibt es sogar eine gesonderte Kategorie zum Thema Reitsport.)

 

 Der gelernte Gerber Felix Diekmann ist in seinem Familienunternehmen seit vielen Jahren tätig und nimmt zum Thema Gerben eine andere Perspektive ein und gibt folgendes Statement ab: „Das Gerben ist nicht problematisch für die Umwelt! Im Gegenteil. Beim Gerben wird ein Abfallprodukt (die Roh-Haut) zu etwas Nützlichem weiterverarbeitet. Würde kein Leder hergestellt werden, hätte die Welt ein riesiges Abfallproblem. Natürlich werden bei der Produktion Ressourcen verwendet wie bei jedem anderen Produkt auch. Probleme können aufzutreten, wenn unter allen Umständen besonders günstig produziert werden muss.“

 

-        Hoher Wasserverbrauch

Bei der Herstellung von Leder wird ähnlich wie in der Fleischindustrie eine Menge Frischwasser verbraucht und eine Menge Abwasser produziert.

Man geht davon aus, dass während des Produktionsprozesses für eine Tonne verarbeitete Haut ungefähr 20.000 bis 80.000 Liter Wasser benötigt werden, welche auch als Abwasser ein Umweltproblem darstellen.


-        Schadstoffe beim Zurichten

Sind die Produktionsschritte weitestgehend abgeschlossen, geht es beim finalen Zurichten darum, das Leder zu versiegeln um es kratz- und reißfest zu machen. Um Kunststoffe wie Polyeruthan kommt man an dieser Stelle häufig nicht herum.

Leider führt diese Behandlung dazu, dass die Chemikalien dann teilweise wieder ausgedünstet werden. Leider kann man auf diesen Produktionsschritt nicht verzichten, wenn man eine kratz- und reisfeste Oberfläche erzielen möchte. Da der größte Teil der Nachfrage aus makellosen, Handtaschen, Lederjacken oder Schuhen besteht, muss das Leder wohl oder übel chemisch bearbeitet werden.

Dr. Christian Schelle, der Schadstoffexperte vom TÜV Rheinland, sagt in diesem Zusammenhang, dass es auf Basis der TÜV-Prüfungen keine schadstofffreie Lederqualität gibt. In entsprechenden Tests würden immer Schadstoff-Ausdünstungen nachgewiesen.[1]

 

Fazit: Auch beim Kauf der Lederausstattung für sein Pferd und anderem Reitzubehör aus Leder sollte man hier eher auf Qualität setzen. Die meisten namhaften deutschen und europäischen Sattlereien setzen auf Nachhaltigkeit und verwenden europäisches Leder, was ausschließlich vegetabil gegerbt wurde. Zu dem ist qualitativ hochwertiges Leder bei guter Pflege einfach langlebiger!

Also aufgepasst: Wenn der Preis für das Pferdezubehör schon verdächtig günstig ist, sollte man hinterfragen wo genau dieses Leder eigentlich her kommt. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es dann Billigleder aus fernöstlichen Ländern, in denen oft die Ausbeutung von Tier, Mensch und Umwelt an der Tagesordnung steht. 

Es gibt aber auch verschiedene Siegel, die Leder kennzeichnen, die besonderen Umweltkriterien entsprechen. Auf welche Siegel ihr beim Kauf von Leder in Zukunft achten solltet und welche tollen Lederalternativen es gibt, darüber werden wir in den kommenden Wochen berichten.1



Ledersiegel
Echtes Leder ist heute schwierig von aus Kunststoffen hergestellten Imitaten zu unterscheiden. Wie in anderen Bereichen arbeitet auch die Lederindustrie hier mit Siegeln. Einige der bekanntesten wollen wir euch vorstellen.


Das  Lederhautsymbol

Als Symbol für Ledererzeugnisse hat sich die symbolische Darstellung einer ausgebreiteten Tierhaut eingebürgert. Häufig verwenden Hersteller das Symbol mit der ergänzenden Bezeichnung "Echtes Leder“, um die Kunden zu informieren, dass es sich bei dem Produkt um echtes Leder handelt.

Gelegentlich sieht man das Logo auch ohne den Zusatz „Echtes Leder“. Möchte man auf Nummer sichergehen, entscheidet man sich für das Logo mit entsprechendem Zusatz.

Wichtig ist hier zu erwähnen, dass das Logo nichts über die Lederqualität aussagt. Das Logo allein ist also kein Garant für ein nachhaltiges Produkt, sondern kennzeichnet lediglich, dass es sich um echtes Leder und kein Imitat handelt.

Unser Fazit: Ist man auf der Suche nach einem Produkt aus echtem Leder, ist das Ausschauhalten nach diesem Siegel unverzichtbar. Doch was ist mit dem ökologischen Aspekt? Hier lohnt sich das genaue Hinschauen und die Suche nach weiteren Zertifizierungen.


IVN-Naturledersiegel

Der IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V) zertifiziert nicht nur Leder, sondern ist eine Prüfstelle für verschiedene Textilprodukte. Hier wird Wert auf eine Qualität auf hohem technischen und ökologischen Niveau gelegt. Bezogen auf Lederprodukte heißt es auf der Internetseite des IVN hierzu: “Daher werden in der Richtlinie NATURLEDER IVN ZERTIFIZIERT alle Herstellungsstufen entlang der Prozesskette von der Rohware bis zum Verkauf und Gebrauch des fertigen Leders berücksichtigt. Eine sinnvolle Einsparung von Ressourcen, Umwelt- und Gesundheitsschutz sowohl in der Produktion als auch während des Gebrauchs sowie die Gebrauchsfreundlichkeit stehen hierbei im Vordergrund.

Der IVN gibt weiter an, dass Prüfkriterien unter anderem die Umweltbelastung, einzelne Gefahrenstoffe, aber auch die Recyclingfähigkeit und die Entsorgung im Vordergrund stehen.Ebenfalls ein wichtiges Kriterium sind Gesundheitsaspekte, die sowohl den Nutzer/ die Nutzerin, als auch die Menschen im Herstellungsverfahren betreffen.

Wen es noch genauer interessiert, kann sich auf der Seite des IVN schlau machen (https://naturtextil.de/).

Unser Fazit: IVN-geprüfte Ware ist in jedem Fall eine gute Wahl. Hier handelt es sich um eine Zertifizierung eines seriösen Unternehmens, welches die Produkte im Bereich der Nachhaltigkeit auf Herz und Nieren prüft. Dies ist nicht nur bezogen auf Schadstoffe im Endprodukt, sondern hat ebenfalls die Produktionskette und dessen Arbeitsbedingungen im Blick.


Blauer Engel - Leder

Der Blaue Engel ist ein Siegel, welches vom Bundesumweltministerium vergeben wird.

Das Siegel kennzeichnet Lederprodukte, die vor allem ohne gesundheitsgefährdende Chemikalien und unter Einhaltung hoher Umweltstandards hergestellt wurden. Gute Gebrauchseigenschaften sind hier ein zusätzliches Kriterium.

Dabei wird die gesamte Produktionskette in den Augenschein genommen. Der Blaue Engel zertifiziert emissionsarme Leder, bei denen die Umwelt- und Gesundheitsbelastungen von der Produktion über die gesamte Nutzungsdauer, bis hin zur Verwertung und Entsorgung, auf ein minimales Level beschränkt werden.  

Unser Fazit: Ein Lederprodukt mit diesem Siegel lässt sich guten Gewissens kaufen. Pluspunkt: Das Siegel des Bundesumweltministeriums erhält von uns als staatlich ausgestelltes Siegel einen Vertrauensvorschuss. Außerdem werden auch hier nicht nur einzelne Aspekte, sondern die ganze Produktionskette überprüft.


Zertifizierung von OEKO-TEX

Die Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textil- und Lederökologie  vergibt  Produktlabel ( Textillabel) unter der Markenbezeichnung Oeko-Tex. Geprüft werden nicht nur Lederprodukte, sondern eine Vielzahl von verarbeiteten Stoffen und Materialien.  Es gelten international einheitliche Oeko-Tex-Standards, welche regelmäßig erweitert und modifiziert werden.

Für Lederprodukte gibt es die spezielle Zertifizierung LEATHER STANDARD by Oeko Tex.

Auf der Seite von Oeko-Tex findet man hierzu folgende Information: „Das LEATHER STANDARD Label signalisiert, dass der gekennzeichnete Artikel erfolgreich auf gesundheitsbedenkliche Chemikalien überprüft wurde. Grundlage der Prüfung durch eines der unabhängigen OEKO-TEX® Partnerinstitute ist der OEKO-TEX® Kriterienkatalog mit mehreren hundert reglementierten Einzelsubstanzen. Die strengen Grenzwerte und Prüfkriterien des Kriterienkatalogs sind vielfach strenger als national und international geltende Vorgaben und enthalten diverse Parameter zur Gesundheitsvorsorge. OEKO-TEX® aktualisiert die Prüfkriterien mindestens einmal jährlich und berücksichtigt dabei neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Änderungen in der Gesetzgebung.

“Geprüft werden alle Materialien entlang der gesamten Produktionskette inklusive Zubehör nach humanökologischen Gesichtspunkten.

Unser Fazit: Weltweit einheitliche, strenge Richtlinien machen das Produkt mit diesem Siegel sicherlich zu einem guten Produkt hinsichtlich Schadstofffreiheit und strengen Grenzwerten für Chemikalien o.ä.

Wir haben bei unseren Recherchen festgestellt, dass dieses Siegel wenig über den Gesundheitsschutz während der Produktionskette aussagt, wie z.B. das IVN-Siegel ihn zusichert. Der LEATHER STANDARD by OEKO-TEX hat keinen ausdrücklichen Nachhaltigkeitsanspruch. Im Mittelpunkt steht vor allem der Schutz der Verbraucher. Das Siegel lässt sich deshalb nicht mit Standards vergleichen, deren Anliegen die Verbesserung von Arbeitsbedingungen, sowie der Schutz der Umwelt ist. 2


Quellen:

1: https://www.careelite.de/

https://www.jahn-lederwaren.de/

https://www.peta.de/

2: :https://www.blauer-engel.de/

https://www.leder-info.de

www.oeko-tex.com


Vegane Lederalternativen – für euch unter die Lupe genommen

Leder ist aus dem Pferdealltag nicht mehr wegzudenken – über den Nutzen und die häufig bedenkliche Produktion von Lederprodukten haben wir bereits berichtet. Wer da  zu einer veganen Alternative greifen möchte, hat es häufig schwer, den Durchblick zu behalten. Zumal auch Lederalternativen aus PVS und Plastik „vegan“ sind. Das muss man nicht gleich verteufeln, da es auch hier interessante Varianten aus recycelten Materialien gibt.

Wer aber auch um die Plastikvariante einen Bogen machen möchte, muss sich häufig noch gedulden. Vegane Lederalternativen aus natürlichen Materialien sind zwar „ im Kommen“, häufig aber noch nicht in vielen Bereichen zu haben. Besonders auch im Reitsport lassen entsprechende Produkte häufig noch auf sich warten.   Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Wir arbeiten dran 😉 Wir haben uns auf die Suche nach Alternativen begeben, die uns zum Staunen gebracht haben. Leder aus Äpfeln? Wer hätte das gedacht.

Fairerweise bleibt zu erwähnen, dass es immer auch kritische Stimmen gibt. Die Bloggerin Franziska Klee zum Beispiel schreibt, dass all die Lederimitate zwar umweltverträglicher sind,die Bezeichnung „Leder“ aber in ihren Augen unpassend wäre. Sie schreibt: „ABER: Die Haptik aller natürlichen Alternativen, die wir bisher getestet haben, ist deutlich anders als beim Leder. Ich finde es persönlich fragwürdig, wenn diese dann als Ananasleder oder Korkleder betitelt werden. Die Erwartungshaltung kann in meinen Augen niemals erfüllt werden. Für mich gibt es daher aktuell keine wirklich echte Alternative zu Leder mit eben jenen wunderbaren Eigenschaften, die Leder so besonders machen.“1

Wer diese Meinung teilt und nicht auf Leder verzichten möchte, kann sich bei uns unter der Rubrik: Leder kundig machen. Auch hier gibt es Unterschiede bei der Herstellung und man kann zumindest auf umweltfreundlichere Herstellung achten.

Wir als RFF finden natürliche Lederalterativen toll und sind gespannt, ob diese de Reitsport als Markt für sich entdecken. Mit einigen Firmen stehen wir sogar bereits in Kontakt. Man darf gespannt sein.

Hier nun aber die versprochene Übersicht:



1. Natürliche Lederalternativen - Eine Übersicht


Ananas

Bereits Ende der 90er Jahre auf den Philippinen forschte und entwickelte die  Spanierin Carmen Hijosa  eine nachhaltig Alternative zum herkömmlichen Leder, da sie bestürzt über die Umweltauswirkungen der hiesigen Lederproduktion war.  Nachdem sie viele Jahre recherchierte, stieß sie auf Ananasblätter als echte

Alternative. Da diese als Abfallprodukt bei der Ananasernte abfallen, kommt es darüber hinaus zu keinem weiteren Ressourcenverbrauch. Die Firma Piñatex® hat dort die Produktion dieser Lederalternative umgesetzt. Philippinische Ananas-Bauern haben nun eine zusätzliche Einnahmequelle: Sie verarbeiten die Fasern der Blätter zu einem Vlies, welches in Spanien noch veredelt wird. So wird es  zu einem weichen, aber dennoch strapazierfähigen Textil verarbeitet.

Schuhe aus Piñatex® findest du zum Beispiel bei NAE Vegan Shoes. H&M hat in der letztjährigen Frühlingskollektion mit dem Textil gearbeitet und eine Ananas-Lederjacke in die Kollektion aufgenommen. Beim Pferdebedarf haben wir dieses Material leider noch nicht entdecken können. Wir halten euch aber auf dem Laufenden.


Kork

Dieses Material hat es tatsächlich bereits in die Reiterwelt geschafft. Über Kork als Lederersatz haben wir bereits berichtet und Korksättel und -zaumzeug für euch unterdie Lupe genommen. Neben wasserabweisenden und antiallergischen  Eigenschaften ist Kork auch angenehm weich. Um das lederähnliche Produkt herzustellen, wird die Rinde der sogenannten Korkeiche verwendet. Der Vorteil: Für die Gewinnung von Kork muss kein Baum gefällt werden, denn die Rinde wächst immer wieder nach. Bis zu  15 Mal kann eine Korkeiche im Laufe ihres Lebens «geschält» werden. Zwar werden die Produkte anschließend häufig mit Polyurethan (PU) verstärkt, doch das ist umweltverträglicher als PVC, welches bei gängigen Lederimitaten zum Einsatz kommt.

Ein weiterer Vorteil bietet die Produktion von Korklederimitaten – Korkeichenwälder werden somit erhalten und bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Insektenarten. Zudem bindet ein Korkwald, besonders auch durch den Schälvorgang, eine Menge CO2. Wir finden das ist ein Gewinn auf ganzer Linie. Hier findet ihr den kompletten Bericht zum Thema Kork-Sattelzeug.


Apfel

Lederimitate aus Apfel sind zugegebenermaßen noch nicht sehr verbreitet. Trotzdem fanden wir das interessant und auf jeden Fall erwähnenswert. Rund 10% der jährlichen Apfelernte in Europa findet in Südtirol statt. Große Mengen an Rückständen fallen bei der Herstellung von Apfelsaft dort an, den sogenannten Trester. Die Die Firma Frumat aus Bozen stellt mit diesem Trester eine vegane Leder-Alternative her. Nach dem Trocknen werden die Apfelreste zu einem Pulver zerriebenund danach zusammen mit einem Bindemittel auf ein dichtes Gewebe aufgetragen. Die anschließende Prägung führt zum gewünschten Lederlook.  Ob sich diese Alternative dauerhaft durchsetzt bleibt abzuwarten. Wir halten euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.


Pilze

Verrückt aber wahr – bereits im Mittelalter verwendeten die Menschen Pilze um Textilien herzustellen.Heutzutage setzen sich verschiedene Unternehmen damit auseinander, Pilze in ein lederähnliches Material zu verarbeiten. Dabei werden die sogenannten «Myzelien», die Wurzelfasern von Pilzen, mit biologischen Abfällen wie Maiskolben oder Hanffasern gefüttert. Dabei wuchern die Pilze um die Abfallkrümel herum und bilden Pilzfäden. Dabei entsteht bereits innerhalb von wenigen Wochen ein festes Gewebe, welches entsprechend weiterverarbeitet werden kann.             


Kakteen

Aus Mexiko stammt die Idee, eine Lederinitiative aus Kakteen herzustellen. Da dieses Lederimitat besondere Vorzüge hat, und mittlerweile in vieler Munde ist, haben wir uns entschieden, dieses Produkt hier näher zu beleuchten.



2.Bioleder aus Kaktus – Ein natürliches Imitat mit vielen Qualitäten

Die mexikanischen Unternehmer Adrián López Velarde und Marte Cázarez arbeitetenzuvor in einer Branche, in der sie täglich mit dem Textil Leder zu tun hatten. Die große Belastung für die Umwelt bei der Lederherstellung brachte sie schließlich dazu,das Unternehmen Desserto zu gründen, welches ein Lederimitat aus dem Feigenkaktus (Nopal-Kaktus) herstellte. Auch die Herstellung von Ananasleder inspirierte sie.Im Oktober 2019  stellten sie ihre Erfindung auf einer Ledermesse in Mailand vor. In ihrer Heimat Mexiko ist der Nopal Kaktus eine Pflanze, die auf Millionen von Hektar angebaut wird. Die Einheimischen nutzen diese Pflanze auf vielfältige Weise. Es wird nicht nur als Futtermittel in der Landwirtschaft eingesetzt, sogar in der mexikanischenKüche findet sie Verwendung.Desserto beschreibt das Produkt als nachhaltiges, umweltfreundliches Produkt mit vielen Vorzügen. Hier haben wir einige für euch recherchiert, die Desserto anpreist:

  • Kakteen sind ein natürlicher Rohstoff. Ein Vorteil ist, dass sie mit wenig Waser auskommen und so die Wasserressourcen geschont werden. 
  • Viele Lederimitate nutzen Kunststoffe als Trägermaterial. Bei der Herstellung von Kaktusleder wird das Kaktus-Fasermaterial  auf Baumwolle aufgebracht.  
  • Die Optik von Kaktus-Leder ist der dem echten Leder sehr ähnlich.
  • Kaktus-Leder weist lederähnliche Eigenschaften auf. Es ist flexibel, atmungsaktiv und vor allem flexibel. 
  • Als biologisch abbaubares Produkt hinterlässt es, wie die meisten natürlichen Lederimitate, keine Schadstoffe in der Umwelt. 
  • Kaktusleder ist besonders langlebig. Laut Hersteller soll es bis zu zehn Jahren halten. 2

Bleibt zu hoffen, dass sich Kaktus als Lederalternative auch hierzulande durchsetzt und vor allem den Weg in die Pferdewelt findet. Hier halten wir natürlich ebenfalls für euch die Augen offen. Und ihr wisst ja: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Hierimmer wieder Firmen ansprechen und gezielt nach Alternativen fragen.

Quelle1: https://franziskaklee.de/warum-veganes-leder-fuer-uns-keine-echte-alternative-ist/

Quelle 2: https://vegan.ch/2020/05/6-vielversprechende-vegane-alternativen-zu-leder/https://utopia.de/ratgeber/desserto-veganes-leder-aus-kaktus/


Lyocell

Der Trend-Stoff Lyocell, auch unter dem Markennamen Tencel bekannt, ist momentan in aller Munde. Doch bei genauer Betrachtung gibt es das Material schon seit vielen Jahren. Der aus Holzfaser stammende Stoff gilt als besonders nachhaltig, pflegeleicht und angenehm zu tragen. doch hält der Stoff auch das, was er verspricht?  Und wie umweltfreundlich ist er in der Herstellung? Wir haben das für euch unter die Lupe genommen. Hier kommt unser Material-Check Nummer zwei.


Gewinnung und Herstellung von Lyocell – Pluspunkte auf einen Blick

Nachhaltiger Anbau

Lyocell wird in der Regel aus Zellulose Fasernvon asiatischem Eukalyptusholz hergestellt. Dieses wird nachhaltig produziert und bringt einen sogenannten Produktionskreislauf mit sich. Doch auch die Produktion aus Birken- oder Eichenholz ist möglich.Lyocell ist zudem ein biologisch abbaubares Produkt. Bei der Herstellung entstehen keine Nebenprodukte, die umwelt- oder gesundheitsschädlich sind. Der Hauptbestandteil des Produktes, die Zellulose, wird aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern gewonnen.


Ressourcenschonend im Anbau

Ein weiterer Vorteil ist, dass für den Anbau der für die Lyocell-Produktion notwendigen Bäume keine Pestizide nötig sind oder Bewässerung vorgenommen werden muss.  Das ist ein weiterer Pluspunkt z.B. gegenüber der Baumwolle. Dessen Anbau ist nicht nur sehr viel arbeitsintensiver, sondern der Anbau geht mit einer Menge Wasserverlust (intensive Bewässerung), wie auch einen immensen Einsatz von Pestiziden einher.


Weitestgehend umweltfreundlich in der Herstellung

Für die Herstellung werden aus dem Holz zunächst kleine Schnipsel geschnitten, die dann ineiner Lösung aus Aminoxiden eingeweicht werden, um die Zellulose zu lösen. Es handelt sich dabei um ein nicht toxisches Lösungsmittel. Die Zellulose wird nun in Form einer klaren Spinnlösung durch Spinndüsen gepresst und anschließend als Endlosfasern in einem Spinnbad gesammelt. Diese Fasern bilden nun die Grundlage des Stoffs. Sie werden entweder direkt zu Garn gesponnen, oder eventuell zunächst noch weiter behandelt. Wenn Lösungsmittel im Einsatz sind, auch wenn das Mittel als umweltfreundlich beschrieben wird, wird man als ökologisch bewusster Mensch natürlich zunächst hellhörig. Doch hier die eine weitere gute Nachricht: Der große Vorteil dieses Vorgangs ist die nahezu vollständige Kreislaufführung des verwendeten Lösemittels. Das Mittel wird nämlich anschließend aus der Faser ausgewaschen und wiederverwertet. Aus diesem Grund wird die Herstellung von Lyocell als umweltfreundlich beschrieben.


Biologisch abbaubar

Bei Lyocell handelt es sich um eine modifizierte Cellulose-Faser und ist entsprechend durch Mikroorganismen biologisch abbaubar. Der biologische Abbau im Boden, im Kompost und auch im Seewasser ist nach Angaben der Prüfstelle nach den gültigen Richtlinien geprüft und durch ein Siegel zertifiziert. Zerfallsexperimente konnten ein Gewichtsverlust und damit ein biologischen  Abbau von Lyocell-Geweben von etwa 75% innerhalb von 60 Tagen nachweisen,  womit der biologische Abbau schneller ablief als bei den biologisch abbaubaren Kunststoffen (Quelle: Wikipedia).


Vorteile von Lyocell in der Mode /Reitsportmode

Langlebigkeit

Das Material gilt als besonders langlebig. Besonders im Sport werden Materialien stark strapaziert und beansprucht. Da sind langlebige Stoffe natürlich ein Pluspunkt.


Feuchtigkeitsabsorbierend

Dem Stoff wird eine besonders gute feuchtigkeitsabsorbierende Wirkung, sowie natürliche Atmungsaktivität nachgesagt. Zum einen profitieren Menschen mit empfindlicher Haut und Schweißproblemen davon. Zum anderen ist der Stoff aufgrund dieser Eigenschaften auch für den Sportbereich gut geeignet.


Nachteile von Lyocell

Nach all den Lobeshymnen auf das Material ist es uns wichtig, immer zwei Seiten einer Medaille zu beleuchten. Im Falle von Lyocell ist es uns nicht gelungen. Die Ergebnisse unserer Recherchen zu dem Material waren durchweg positiv.

Solltet ihr auf einen Nachteil von Lyocell stoßen, lasst es uns wissen. Schließlich verstehen wir uns als lebendige Plattform.


Einsatz von Lyocell im Reitsport

Die Vorteile des Materials haben wir euch oben vorgestellt. Das führt uns zur Frage, wie man Lyocell also effektiv im Reitsport einsetzen kann. Was den Modebereich angeht, sind die Möglichkeiten vielfältig. Angefangen von Reitsport-Oberbekleidung, bis hin zur Reithose, welche sicherlich in Form von Mischgewebe ihre Anwendung finden könnte. Ob das atmungsaktive Material seinen Weg auch in Schabracken und Pferdedecken findet, bleibt abzuwarten.1

1 Quellen:

https://lyocell.info/de/

https://www.bader.de/lyocell                  

https://de.wikipedia.org/wiki/Lyocell